Der Ramadan

Der Monat des Korans

 

Der Ramadan ist der neunte Monat des arabischen Mondkalenders, der bereits vor dem Islam in Gebrauch war. In diesem Monat pflegte sich der Prophet Muhammad (s) für einige Tage zur Einkehr und intensivem Gebet in die Berge bei Mekka zurückzuziehen.

 

In der Nacht des 27. Ramadan des Jahres 610 n. Chr. geschah ein denkwürdiges Ereignis, von dem der Prophet selbst wie folgt berichtete: „Der Engel ergriff mich wieder und drückte mich, bis ich glaubte zu ersticken. Dann ließ er mich los und befahl mir: „Lies!“ Ich antwortete: „Was soll ich lesen?“ Da ergriff er mich zum dritten Mal, drückte mich und sagte: „Lies im Namen deines Herrn, der schuf, den Menschen aus Anhaftendem schuf! Lies, denn dein Herr ist‘s der hochgelehrte, der mit dem Schreibrohr lehrte, den Menschen, was er nicht wusste, lehrte“ (Sure 96:1-5).

 

Der Prophet beschreibt hier die Begegnung mit dem Erzengel Gabriel (a) und die Offenbarung der ersten Koranverse. Wegen dieser besonderen Verbindung zwischen dem Monat Ramadan und dem Koran wird er auch der „Monat des Korans“ genannt.

 

Bekannt ist der Ramadan natürlich vor allem als Fastenmonat. Das Fastengebot geht auf den 183. Vers der Sure Bakara zurück. Das Ramadanfasten ist eine der „fünf Säulen“ des Islams, der wichtigsten Gottesdienste im Islam. Jeder erwachsene, gesunde Muslim ist verpflichtet, sich während eines Zeitraums von maximal 30 Tagen tagsüber von allen „weltlichen“ Genüssen fernzuhalten. Ausgenommen von der Fastenpflicht sind dagegen Kinder, Schwangere, Kranke, alte Menschen und Reisende.

Der Ramadan als spirituelle Erneuerung

 

Auch die Nächte des Ramadans sollen zum Gottesdienst genutzt werden. Nach dem Nachtgebet versammeln sich viele Muslime zum Tarâwîh-Gebet in den Moscheen, das nur im Ramadan verrichtet wird. Auch tagsüber finden in den Moscheen Veranstaltungen statt, die darauf ausgerichtet sind, die Gedanken der Gläubigen auf das Wesentliche auszurichten. Dazu gehören gemeinsame Koranrezitationen, Gottesgedenken (arab. Zikr) und Vorträge.

 

In den letzten zehn Tagen ziehen sich manche Muslime ganz in die Moschee zurück. Die Praxis des „Îtikâf“ geht auf den Propheten zurück. Hier wird das Alleinsein bevorzugt. Der Gläubige soll sich noch einmal mit ganzer Energie auf seine Gottesdienste konzentrieren können. In diese Zeit fällt auch die Kadr-Nacht (Nacht der Bestimmung), mit der der Ramadan seinen Höhepunkt erreicht.

 

Die Kadr-Nacht ist die gesegnetste Nacht des islamischen Jahres. Allah selbst sagt in der Sure Kadr über diesen besonderen Zeitpunkt, sie sei „besser als tausend Monate“ (Sure Kadr, 97:4).

Das Besondere dieser Nacht ist, dass ihr Erscheinen nicht genau bestimmt werden kann.

Der Prophet sagte: „Sucht die Kadr-Nacht in einer der ungeraden Nächte der letzten zehn Tage.“ Deshalb verbringen Muslime oft die ganze Nacht mit Gebeten und Koranrezitationen, um so am Segen dieser Nacht teilzuhaben.

 

Ziel all dieser individuellen Bemühungen ist es, nicht nur seine körperlichen Bedürfnisse, sondern auch seine Emotionen zu zügeln und sich in Geduld zu üben. Teil des Fastens ist daher nicht nur der Verzicht z. B. auf Nahrung. Der Gläubige soll sich von allen schlechten Gedanken, Worten und Taten fernhalten. Zum Ramadan gehört es auch, sich mit seinem eigenen Charakter zu beschäftigen und Fehler zu verbessern. Viele Muslime werden sich während dieser Zeit des Verzichts auch in vollem Umfang der vielen Gaben bewusst, die ihnen ansonsten im Alltagsleben weitgehend anstrengungslos zur Verfügung stehen. Das schärft auch den Blick für die soziale Komponente des Ramadan.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Ramadan

 

Gemeinschaft wird im Ramadan insbesondere durch das Beisammensein mit anderen Gläubigen in und außerhalb der Moschee erlebt. Der Fastenmonat ist aber auch eine Gelegenheit, familiäre und freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Selten wird einem der Wert schmackhafter und gesunder Nahrung, vor allem aber sauberen Trinkwassers so bewusst, wie nach einem langen, anstrengenden Fastentag. Deshalb sind die Muslime mehr als zu jeder anderen Gelegenheit dazu aufgerufen, ihre Gaben mit anderen zu teilen. Zahlreiche Überlieferungen sprechen über die Belohnung, die ein Muslim erwarten darf, der einen Fastenden zum Iftar, dem Fastenbrechen nach Sonnenuntergang, einlädt. In den Familien ist es üblich, Gäste zu bewirten.

 

Moscheegemeinden in Deutschland organisieren seit einiger Zeit öffentliche Iftar-Abende, an dem jeder, unabhängig von seinem individuellen Glauben, teilnehmen kann. Auch Bedürftige sind ausdrücklich dazu eingeladen. Eine weitere Aktion während des Ramadan ist z. B. „Iftar unter Nachbarn“, bei der Muslime ihre nichtmuslimischen Freunde und Nachbarn zum Fastenbrechen einladen. Auch muslimische Hilfsorganisationen wie Hasene International e. V., ein Kooperationspartner des Islamrates, leisten mit besonderen Ramadankampagnen einen Beitrag dazu, dass auch Bedürftige und notleidende Menschen in entfernten Weltgegenden einen besinnlichen Fastenmonat verleben können.

Kurzum: Der Monat, in dem alle guten Taten um ein Vielfaches belohnt werden, motiviert dazu, anderen beizustehen – in welcher Form auch immer.

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